Sonniger Arbeits-Urlaub

Workation! Work … what?


Während der ein oder andere anerkennend »aah« sagt, wenn ich von meiner Workation erzähle, sehe ich in den Augen der meisten Gesprächspartner*innen nur Unverständnis. Deshalb eine kleine Begriffserklärung vorweg:
»Workation« setzt sich aus den Wörtern »work« und »vacation« zusammen und beschreibt ein Konzept, das sich im Zuge der Digitalisierung entwickelt hat und sich immer größerer Beliebtheit erfreut: eine Kombination aus Arbeit und Urlaub, die Verbindung des Nötigen mit dem Schönen. Eine Workation ist für alle geeignet, die ortsunabhängig arbeiten können – und dies ab und zu gerne an exotischen Orten unter der Sonne tun. Damit ist allerdings nicht das schon lang etablierte Work&Travel gemeint, bei dem vor dem geistigen Auge 19-jährige Apple Picker in Australien auftauchen. Bei der Workation angelt man sich nicht von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob, sondern geht seiner Haupttätigkeit nach – nur halt nicht im Büro, sondern unter Palmen (im besten Fall). Voraussetzung dafür ist, dass man sich in einem entsprechenden Tätigkeitsfeld bewegt. Das schließt alle Berufe ein, die digital vom Laptop aus zu erledigen sind und für die man, außer einer guten Internetverbindung, nicht viel braucht. Blogger*innen, Texter*innen, ITler*innen, Solopreneure, Designer*innen (wenn einem der kleine Bildschirm reicht), Illustrator*innen (wenn man – wie ich – mit einem entsprechenden digitalen Eingabegerät ausgestattet ist) und Online-Marketing Spezialist*innen sind Menschen, die man wahrscheinlich auf einer Workation trifft. In der Regel arbeiten sie als Freelancer und Selbstständige. Seltener findet man auch Festangestellte bei einer Workation, die dann eine sehr progressive Chefin haben.

Sunnyworkations auf Teneriffa
Ich habe 2017 das erste mal bei einer Workation in Medellin, Kolumbien mitgemacht und fand das Konzept so toll, dass ich wusste: das möchte ich öfter machen! Durch Zufall stolperte ich im Oktober über das Angebot von Eva und Iván, die unter dem Namen Sunnyworkations Workations auf Teneriffa veranstalten.
Die Woche im Büro war anstrengend gewesen und so rannten die beiden mit ihrem Facebook-Post offene Türen bei mir ein. Die Insel kannte ich bisher nur aus den begeisterten Erzählungen meiner Schwester und der Kölner Herbst war gerade besonders trübe. So buchte ich kurzerhand eine Woche Arbeiten im Sonnenschein.

Endlich auf der Insel
Kurz nach der Ankunft auf Teneriffa fanden wir uns in El Medano zum Mittagessen und einem ersten Kennenlernen zusammen. Die Gruppe verstand sich auf Anhieb gut und bald fuhren wir gemeinsam Richtung Norden zu unserer Finca in La Orotava, wo wir die nächste Woche miteinander verbringen würden. Unsere Küchenfee Anne hatte ein wunderbares Begrüßungs-Abendessen vorbereitet und so lernten wir uns bei Patatas Negras und Queso de Cabra besser kennen. Der leckere regionale Wein half dabei, die Zungen zu lockern.

Es folgte eine Woche, in der ich mich sehr disziplinieren musste, um mich überhaupt an den Laptop zu setzen. Ich war sehr dankbar, dass es auf der Arbeit eher ruhig war, denn es gab jeden Tag ein wunderbares Programm, das ich nicht verpassen wollte. So machten wir Ausflüge in die umliegenden Orte, schauten uns die traumhaft schöne Masca Schlucht an, genossen in einer Guachinche authentisches regionales Essen und machten zum krönenden Abschluss im Teno Gebirge eine der schönsten Wanderungen, die ich jemals erlebt habe. Gearbeitet habe ich dann immer nur das Nötigste und hatte so eher Vacation mit ein bisschen Work. Was ich aber nicht weiter schlimm fand. 😉

Zweimal die Woche gab es morgens Yoga mit Eva, die seit ihrer Yogalehrerausbildung in Indien auch Kurse auf der Insel anbietet. So sind wir entspannt und energiegeladen in den Tag gestartet und haben uns alle fest vorgenommen, dies auch zu Hause fortzuführen.

Iván konnte als gebürtiger Tinerfeño immer viel über die Insel erzählen, die besten Restaurants empfehlen oder den aktuell sonnigsten Platz auf Teneriffa ausfindig machen.

Am Mittwoch Abend hatten Eva und Iván eine Remote Work Konferenz auf die Beine gestellt, auf der verschiedene Speaker ihre Erfahrungen und ihr Wissen über das ortsunabhängige Arbeiten auf Teneriffa mit uns teilten. Es kamen auch Menschen von außerhalb dazu und so wurde es ein bunter Abend mit viel Austausch und – wie immer – leckerem Essen.

Nicht nur Gofio* im Gepäck nach Hause
Vor allem aus dem Austausch mit den anderen Teilnehmern habe ich sehr viel für mich mitgenommen. Am Donnerstag veranstalteten wir auf Wunsch der Teilnehmer*nnen eine Mastermind, bei der jede*r ein Problem oder eine Frage zur Diskussion stellen durfte. Die Lösungsansätze waren so unterschiedlich wie die Teilnehmer*innen selber und ich glaube, dass jede*r an dem Abend inspiriert und mit guten Denkanstößen ins Bett gefallen ist. So erging es mir zumindest.
Es war unglaublich spannend auf so viele unterschiedliche und dennoch gleichgesinnte Menschen zu treffen, die die täglichen Herausforderungen des Freelancer-Daseins kennen und ihre Erfahrungen teilen konnten. Ich habe viel über mich selbst gelernt, über andere und über Teneriffa (dank Iván, dem ich jeden Tag Löcher in den Bauch gefragt habe), einige Denkanstöße mit nach Hause genommen und viel gelacht.

Die Insel hat mich vor allem durch ihre Vielfalt beeindruckt. Von Stränden, an denen man neben Schwimmen auch Surfen, Windsurfen, Kitesurfen und Schnorcheln kann, bis hin zu den wunderschönen felsigen Landschaften, in denen man gefühlt jede halbe Stunde durch eine neue Vegetationszone wandert, ist alles dabei. Der ewig sonnige Süden mit seiner kargen Wüstenlandschaft scheint auf einem anderen Planeten zu liegen, als der feuchtere Norden mit seinen grünen Wäldern, wo auch mal ein paar Tage die Wolken hängen bleiben können. Ich schwärme jetzt auf jeden Fall gemeinsam mit meiner Schwester von der Insel und plane schon den nächsten Trip.

Das Konzept Workation ist für mich so spannend, weil es die positiven Seiten der Digitalisierung mit denen des analogen Lebens verbindet: ortsunabhängiges Arbeiten gepaart mit dem Zusammenbringen von Leuten aus den unterschiedlichsten Ecken. Dabei ist es egal, ob man die Workation als Abwechslung und Auszeit vom Berufsalltag daheim nutzt, oder als digitaler Nomade von Ort zu Ort springt und so immer wieder einen Touchpoint findet.
Dass mir der Luxus vergönnt ist, dieses Konzept zu nutzen, weiß ich sehr zu schätzen. Dass diese Workation ein solcher Erfolg war, ist aber vor allem Eva und Iván zu danken, die viel Zeit und Liebe in die Planung gesteckt haben. Das hat man in jedem Detail gespürt und die Workation zu einem vollen Erfolg gemacht – darin waren sich alle Teilnehmer*innen einig.

Evas Blog übers Auswandern: aufdersonnenseite.de
Evas und Iváns Website: sunnyworkations.com

*Gofio wird durch das Mahlen von geröstetem Weizen und Mais erzeugt und dient auf den kanarischen Inseln als Grundlage für süße und herzhafte Speisen. Ich bin Fan!

Fotos von
Kirsten Piepenbring
Iván Molina
Eva Schubert

Kirsten Piepenbring
Geschäftsführerin & Senior Art Director
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