Kreative Experimente

… und spontane Ideen – vom glänzenden Roboter hin zur Workflow-Optimierung.


Wir als Gestalter lieben Herausforderungen. Der Prozess, eine Idee zu entwickeln und diese umzusetzen ist zutiefst befriedigend. Allerdings kann er, vor allem bei Kundenprojekten, recht langwierig und durch verschiedenste Korrektur und Feedbackrunden geprägt sein. Und das ist auch gut, da so das Ergebnis hinterher den Ansprüchen des Kunden entspricht. Der Nachteil ist, dass der „Gestaltungsfluss“ in die Länge gezogen wird. So wartet man hin und wieder viel zu lange auf Feedback, um dann die nächste Version so schnell wie möglich fertigzustellen – Hurry up and wait.

Doch was ist mit den spontanen Ideen? Die Ideen, die einem in der Mittagspause, unter der Dusche oder nach Feierabend in den Kopf kommen. Kleine visuelle Ideen, Experimente oder die Frage „Ob das funktionieren könnte?“. Zu oft lassen wir diese Fragen unbeantwortet und die Ideen im Wirbel des Alltags verschwinden. Dabei sind es grade diese Ideen, die oft die interessantesten Ergebnisse und Einsichten liefern. Hier ist ein kleiner Bericht über eine meiner Ideen.

Die Motivation

Da ich viel im Bereich Motiondesign und Charakteranimation arbeite, bin ich stets auf der Suche nach neuen Herangehensweisen; neuen Möglichkeiten Charaktere zu animieren, um diese noch lebendiger wirken zu lassen; neuen Workflows um Projekte effizienter bewältigen zu können. Bei einem dieser Experimente, bei dem ich mit dem Einsatz von 3D Objekten in After Effects experimentiert habe, kam mir die Idee mit Motion-Capture Daten zu arbeiten.

Was ist Motion-Capturing?

Motion Capturing ist nicht neu, aber für alle, die es nicht kennen, hier ein kleiner, sehr vereinfachter Diskurs: Beim sogenannten Motion Capturing wird z.B. eine Person mit speziellen Markern versehen und führt dann Bewegungen vor Kameras aus. Die Kameras können die Positionen der einzelnen Marker verfolgen und so die Bewegungsdaten der Person für 3D Anwendungen nutzbar machen. So können diese Bewegungsdaten dann später auf nahezu jeden beliebigen 3D Charakter übertragen werden, der dann die aufgenommene Bewegung der Person ausführt. Der Vorteil von Motion Capturing ist der hohe Detailgrad und Realismus der späteren Animation. Da die Bewegungsdaten von einer realen Person stammen sind viele kleinste Nuancen, wie Atmen, Gewichtsverlagerungen und andere Kleinstbewegungen vorhanden und für die Animation nutzbar.

3D Animation Motion Capture3D Animation Motion Capture

Ich wollte nun schauen, inwieweit ich diese Daten in After Effects nutzen kann. Zusätzlich wollte ich ein Compositing erstellen, welches das Experiment etwas in Szene setzt. Schließlich geht es ja im Kern darum etwas zu gestalten, was visuell ansprechend ist. Der Zeitfaktor spielt hierbei allerdings auch eine Rolle. Da es sich um ein Experiment handelt, möchte ich natürlich nicht Tage an Arbeit investieren. Proof of Concept ist zunächst ausreichend.
Mein Plan war also folgender: Motion Capture Daten nutzen und ein Compositing erstellen, bei dem ich eine Charakteranimation in real gefilmtes Videomaterial implementiere. Und das alles in ein paar Stunden. Wie schon gesagt: Gestalter lieben Herausforderungen.

Ein kurzer Abstecher in die analoge Welt

Das Wetter meinte es an diesem Tag gut mit mir und so schnappte ich mir meine Kamera und machte einen Abstecher in den Park um kurze Videoschnipsel aufzunehmen. Zusätzlich nahm ich ein 360° Panorama Foto an der Stelle auf, wo mein Charakter schließlich erscheinen sollte. Dies sollte später für die korrekten Reflektionen auf der Oberfläche des Charakters sorgen. Da es sich nur um ein Experiment handelte, habe ich hierbei etwas geschummelt und kein Kugelpanorama aufgenommen.

Ich wusste, dass der Charakter groß sein soll. Deutlicher größer als ein Mensch. Und ich wollte, dass diese Größe durch die Art wie er erscheint unterstrichen werden soll. Eventuell kommt er durch die Wolken gefallen?! Wir werden sehen.

Die Umsetzung

Wieder am Rechner habe ich dann passende Motion Capture Daten gesucht und wurde auch fündig. Einen kurzen Abstecher in Cinema4D konnte ich dann leider doch nicht umgehen, um die Daten für den weiteren Verlauf nutzbar zu machen.

In After Effects wurde dann das gefilmte Material getracked um eine 3D Kamera zu erstellen. Anschließend konnte ich nach einigem problem-solving die Daten so einfügen wie ich wollte. Die Fotos für die Reflektion habe ich in Photoshop zu einem normalen Panorama zusammengefügt, das Seitenverhältnis angepasst und anschließend quick und (sehr) dirty die Grasfläche vergrößert.


Zurück in After Effects gab es dann noch das Anpassen der Farben, hinzufügen von Kontaktschatten und andere Compositingarbeit zu erledigen. Nachdem ich dann mit der finalen Farbkorrektur fertig war und alle Transformers-Gedanken gekonnt ignoriert habe, ging es ans Rendern.

Und die Moral von der Geschicht’ …

Das Ergebnis dieser kleinen Übung sind viele Erkenntnisse über potentielle Workflows und Probleme die diese bergen könnten. Aber auch viele Möglichkeiten, die man in Zukunft an passender Stelle zum Einsatz bringen könnte. Alles Erkenntnisse, die ich ohne das Umsetzten dieser spontanen Idee nicht gehabt hätte.

Und zum Zeitfaktor: Das komplette Experiment, vom Filmen über die Recherche der Motion Capture Daten bis zum finalen Produkt dauerte etwa 4,5 Std.

Ihr Ansprechpartner
Tobias Fröhlich
Gründer & Art Director
+49 (0) 221 165 312 52
tobias@designkloster.de

Website
fotografie-froehlich.de